SWEET WIEN

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Sweet Wien

Letztens saßen in Wien zwei echte Wiener Herren neben mir im Kaffeehaus. Ihre Ehefrauen standen derweil an der Kuchentheke. Als der Ober sie fragte, was es denn sein darf, antworteten sie breiter als breit, wienerischer als wienerisch: „Fia klaaaine Schwoaaaze biiidä. Und die Daaaamen suuchen gerade noch äääiiine Möööhlspäise aus.“ Da kam ich nicht umhin über die Wiener „Möhlspäise“ zu schmunzeln und über das Süße an und in Wien zu sinnieren.

Für die Süßspeisen ist Wien nämlich mindestens genauso bekannt wie für Schnitzel, Tafelspitz und Co. Bereits Mitte des 16. Jahrhunderts gab es am Kaiserlichen Hof in Österreich einen Konditormeister. Aus ganz Europa reiste man damals nach Wien, um das Geheimnis um die bereits weltberühmten Wiener Mehlspeisen, Schokoladen und Süßigkeiten zu lüften… und zu kosten.

Für Euch habe ich heute auf der Speisekarte:
Sacher Torte, Schwedenbomben, Zuckerl, Wiener Wäschermäderl, Powidl-Liwanzen, Kaiserschmarrn, Palatschinken und den Mohr im Hemd.
Kennt Ihr nicht alles? Dann lest hier, was sich hinter den einzelnen Namen Köstliches verbirgt und dann ab nach Wien!

 

Sacher Torte

Selbst wenn man heute die Quadratur des schokoladigsten aller Schokokuchens in Cafés bestellen kann und Rezepte für saftigsüße, schokowuchtige „Tartes au Chocolat“ in Zeitschriften omnipräsent sind – so ist und bleibt die Sachertorte der Kult-Schokokuchen! Die seit 180 Jahren unveränderte Originalrezeptur ist bis heute streng geheim, das Holzkistchen unverändert.
Einmal habe ich versucht eine Sacher Torte nachzubacken. Sie war ausgezeichnet, herb-schokoladig, marillenmarmeladig, saftig und sah ganz gut aus – aber aufwendig war das…! Daher meine Devise: Lieber nach Wien fahren und ein Stück im Hotel Sacher bestellen oder: Sich freuen, wenn jemand eine kleine Torte mitbringt.

homemade sachertorte, Austrian chocolate cake

 

Schwedenbomben

Irgendwie schon der Kracher! Bei uns trainiert man sich politisch korrekte Namen wie Schaumkuss an. In Österreich sind und bleiben es „Schwedenbomben“. Die Traditionskonditorei der Familie Niemetz hatte in den 1930ger Jahren die Idee des schokoumhüllten Schaumkusses, der heute aus den Supermarktregalen ja gar nicht mehr wegzudenken ist. Und das Original ist eben die Schwedenbombe von Niemetz. Mit Krieg hat sie allerdings nichts zu tun. Ein Freund der Familie, der aus Schweden stammte, half wohl das Rezept zu perfektionieren und war daher Namensgeber.

Ein Besuch der Werkstatt lohnt sich. Nach Voranmeldung kann man hier in einem Workshop lernen, selbst Schwedenbomben zuzubereiten und sie dann auch mitnehmen.

Die berühmte Schwedenbombe. (Bild von: https://de.pinterest.com/pin/570479477777593565/)

Die berühmte Schwedenbombe. (Bild von: https://de.pinterest.com/pin/570479477777593565/)

 

Zuckerln

In der Herrengasse gibt’s einen ganz süßen Laden: Die Zuckerlwerkstatt. Da strahlen Kinderaugen, und Erwachsenenherzen leuchten. In der Showküche wird gerührt, gefärbt, aromatisiert, geknetet, geschichtet, geknetet und gezoooogen und immer weiter gezoooogen und dann geschnitten, so dass am Ende Unmengen wunderbarer kleiner Bonbon-Kunstwerke in kleine Gläser klackern. Und trotz Zusehens fragt man sich immer noch, wie schaffen die das nur, das gerade die Rock Candies so zauberhaft schön werden? Zudem stellen die zwei Zuckerbäcker in ihrem Laden auch traditionelle Wiener Seidenzuckerl her, formen Lutscher und Zuckerstangerl, machen Kärntner Kräuterzuckerl und würzige Salz-Lakritze.

(Bild von: https://de.pinterest.com/pin/385620786822218401/)

(Bild von: https://de.pinterest.com/pin/385620786822218401/)

 

Wiener Wäschermäderl

Wer im 19. Jahrhundert das Geld hatte, lies seine Wäsche von den „Wiener Wäschermäderln“ waschen. Daran erinnert heutzutage der einmal im Jahr stattfindende „Wiener Wäschermäderl Ball“ im Etablissement Gschwandner im 17. Bezirk und auch die gleichnamige Mehlspeise. Reife Marillen werden dafür mit Marzipan gefüllt und in einem Backteig ausgebacken – schon hat man ein „Wäschermäderl”. Die „Schlosserbuben” sind das männliche Pendant, nur das hierfür Dörrzwetschgen und Mandeln verwendet werden.

Original Wiener Schlosserbuben. (Bild von: https://de.pinterest.com/pin/461337555555525637/)

Original Wiener Schlosserbuben. (Bild von: https://de.pinterest.com/pin/461337555555525637/)

 

Powidl-Liwanzen

Powidl ist österreichisch für eine spezielle Zwetschgenmarmelade oder auch Pflaumenkonfitüre. Und Liwanzen sind ursprünglich böhmische Hefe-Pfannkuchen, die heute von der Wiener Süßspeisen-Hitliste nicht mehr wegzudenken sind. Für eine optimale Zubereitung gibt es extra Liwanzen-Pfannen mit runden Vertiefungen. Sehr schmackhaft sind Liwanzen mit einem fein gewürzten Zwetschgenröster und Topfencreme (Quarkcreme).

Powidl-Liwanzen mit Rahm und Mohn. (Bild von: https://de.pinterest.com/pin/409405422356708166/)

Powidl-Liwanzen mit Rahm und Mohn. (Bild von: https://de.pinterest.com/pin/409405422356708166/)

 

Wiener Kaiserschmarrn

Hmmm, klingt immer verlockend. Aber warum heißt der Kaiserschmarrn „Kaiserschmarrn“? Darum ranken sich verschiedene Anekdoten. Meine Lieblingsversion ist die, dass Kaiserin Sisi, die immer auf ihre Linie achtete, die damals neue Komposition des Hof-Patissiers Leopold aus einem süßen Omelette-Teig und Zwetschgenröster der Figur zu Liebe nicht essen wollte, und Kaiser Franz Joseph in etwa so gesagt haben soll: „Na dann gib‘ er mir halt den Schmarren, den unser Leopold da zamkocht hat“.

Heute bereitet man Kaiserschmarrn mit Palatschinken-Teig zu. Der wird in der Pfanne leicht angebraten, je nach Geschmack auch karamellisiert, und anschließend zerrupft . In den Teig kommen in Rum eingelegte Rosinen, und als Beilage serviert man Apfelmus, Zwetschgenkompott oder Zwetschgenröster.

Kaiserschmarrn_kuchen_dessert_bayern_bayerisch

 

Palatschinken

Ja und Palatschinken? Ein Schatz der österreichischen Küche und dabei schlichtweg das österreichische Wort für Pfannkuchen, Eierkuchen, Crêpe, Blini… Er wird in Wien gern mit Vanilleeis und Schokosauce gegessen. Feine Sache! Aber es gibt Palatschinken genau wie seine Namensvetter natürlich auch in allen möglichen Geschmacksvarianten – süß wie salzig.

palatschinken_crepes_pfannkuchen_dessert_wien

 

Mohr im Hemd

Der saftige, kleine Kuchen aus Schokolade, Semmelbröseln, Zucker, Eigelb, Mandeln und Rotwein wird im Wasserbad gegart und erinnert von der Form her an einen Guglhupf. Übergossen wird er dann noch sündhaft lecker mit heißer dunkler Schokosauce, und oben drauf kommt ein großer Klecks Schlagobers, also Schlagsahne, also eben das Hemd. Der Name soll an die Hauptfigur in der Uraufführung von Verdis Oper „Otello“ in Wien 1888 erinnern, nämlich einen dunkelhäutigen Feldherren. Ob’s politisch korrekt und zeitgemäß ist, eine Süßspeise heute „Mohr im Hemd“ zu nennen, wird in Wien gern diskutiert. Egal: Her damit! So einen nass-saftig-schokoladigen Wahnsinn sollte man in Wien unbedingt probiert haben.

Mohr_im_hemd_dessert_muffin

Habt ihr genug Ideen für Euer süßes Wochenende in Sweet Wien? Dann los!

zum Beispiel 3 Tage Wien im sehr guten 3* Hotel (zentrale Lage) schon ab 79€ pro Person

Und ich ess‘ jetzt erstmal einen Wiener Apfelstrudel!

Apple strudel

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Über den Author

cocosreisehunger

Reisen und Essen ist für mich die perfekte Verbindung. Meine Lieblingsspielwiese für neue Entdeckungen ist die Welt der Kulinarik bzw. die Kulinarik der Welt. Die Vielfalt der Geschmäcker ist grenzenlos, und das fasziniert mich. Ich liebe es an jedem Ort etwas Neues zu probieren, zu fragen, zu riechen, zu schmecken und Kochbücher zu wälzen. Ich lege Wert auf Qualität von Produkten sowie auf die Leidenschaft derer, die kochen. Das kann auf einer einfachen Berghütte, an einem Streetfood-Stand am Ende Asiens sein, genauso wie in einem hippen Restaurant in einer glitzernden Metropole.

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